Tokio, Japan Reisebericht

Reisebericht Tokio, Japan mit Bildern. Eingesendet von Sven.

Ankunft im Land der aufgehende Sonne

Japan. Nach etwa 14 Stunden Flug und ungefähr 18 Stunden auf den Beinen haben wir es endlich geschafft. Mit gepackten Koffern stehen wir am Narita International Airport an der Wechselstube und genießen die ersten Eindrücke eines Landes, welches wir bisher nur aus Reportagen oder den Nachrichten kennen. Wir, das sind meine Freundin und ich und mit der Reise nach Tokio erfüllen wir uns einen Traum, der uns schon längere Zeit begleitet.

Narita Express

Narita Express NEX
Narita Express

Der Flughafen Narita liegt rund 70 km nordöstlich der Hauptstadt, ist jedoch durch zahlreiche Transfermöglichkeiten optimal mit dem Zentrum verbunden. Im JR East Ticket Office entscheiden wir uns für “Suica N’ex“. Neben der Suica Card, auf die ich später noch zu sprechen komme, beinhaltet dieses Bundle für 3500 Yen auch eine Fahrt mit dem Narita Express (kurz N’EX), der uns sanft und mit ausreichend Beinfreiheit mitten in die Stadt transportiert.

Die ersten Eindrücke entsprechen in etwa meinem – zugegebenermaßen etwas klischeehaften – Bild von Japan. Längst der Gleise liegen kleine Ortschaften und Dörfer, welche sich idyllisch bei klarem Himmel und warmen Sonnenschein in die grüne Landschaft integrieren. Zu unseren linken Seite lassen wir einen Bambuswald hinter uns und endlich gelingt es mir das erste mal seit dem Morgen unserer Abreise ernsthaft zu entspannen.

Nach etwa 20 Minuten wird die Landschaft zunehmend urbaner. Immer häufiger fällt mein Blick auf riesige Wohnkomplexe, manchmal mit mehreren hundert Parteien. Die Ausläufer der Großstadt machen sich jetzt bemerkbar. Natürlich war mir bereits im Vorfeld klar, wie stark Tokio bebaut ist, was ich hier sehe übertrifft allerdings meine kühnsten Erwartungen. Betongigant reiht sich an Betongigant. Ich sehe weder Freiflächen, noch kann ich irgendwo auch nur einen Hauch von Grün entdecken. Schön ist was anderes, denke ich und bemühe mich nicht alle meine Idealvorstellungen bereits frühzeitig über Board zu werfen.

Nach einiger Zeit wird die Atmosphäre wieder freundlicher. Die Wohnblöcke werden weniger und machen einigen eleganten Hochhäusern platz, die eine Aura von Geld und Macht umgibt. Wir nähern uns der Tokyostation. Für uns ist die Fahrt mit dem Narita-Express hier vorbei. Wie steigen um in die Yamanote Line, dem Pendant zur Berliner Ringbahn, welche uns einige Stationen weiter Richtung Norden befördert, in den geschäftigen Stadtteil Ueno.

Ueno: Das Labyrinth unter den Gleisen

Neben dem Ueno-Park, welcher bereits zahlreiche Attraktionen beherbergt ist das Viertel insbesondere für seine Vielzahl an kleinen Gassen und Straßen rund um die Bahngleise bekannt, wo man von Haushaltswaren über Kleidung, Lebensmittel oder Elektronik eigentlich alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Vor allem aber gibt es auf dem Ameya-Yokocho-Markt, so nennt sich dieses Labyrinth der kleinen Straßenzüge, unzählige Kneipen, Restaurants und Lokale, in denen sich nach einem harten Arbeitstag gerne die Geschäftsmänner der Umgebung zum Essen und anschließendem Bier treffen.

Ameya Yokocho Market Tokyo Ueno
Auf dem Ameya Yokocho Markt in Ueno

An der Ueno-Station angekommen bemühen wir uns um eine ersten Orientierung. Laut Karte liegt unser Hotel südlich des Bahnhof an einer befahrenen Hauptstraße. Aber welchen Ausgang müssen wir nehmen? Um uns herum strömen die Menschenmassen über die Gänge der Station, um die Gleise zu wechseln. Ein wenig ratlos bewegen wir uns durch den Bahnhof und halten Ausschau nach dem richtigen Ausgang. Nach einigen Momenten wird es mir zu bunt, aber ich habe vorgesorgt. Ich zücke meine Smartphone und öffne eine Kompass-App, die ich einige Tage zuvor heruntergeladen habe. Wir schlagen den Weg Richtung Süden ein und erreichen nach einer Weile den richtigen Ausgang. Von hier aus ist das Hotel schnell gefunden.
Mittlerweile ist es 17 Uhr und die Strapazen der Reise beginnen sich bemerkbar zu machen. Dennoch entschließen wir uns nach dem Check-in unsere neue Nachbarschaft zu erkunden.

Die engen Gassen unterhalb und um die Gleise der höher gelegenen Bahn sind bereits gut gefüllt. An viele Ecken stehen junge Männer mit Flyern, welche versuchen die Passanten in ihr Lokal zu locken. Aus den Pachinkohallen, die man hin und wieder findet dröhnt laute Musik und das klimpern der kleinen silberfarbenen Kugeln scheint allgegenwärtig. Wir passieren zahlreiche Geschäfte und Kneipen, bis wir feststellen, dass sich auch bei uns der Hunger langsam bemerkbar macht. Kurz überlegen wir eines der Restaurants aufzusuchen, an denen wir zuvor vorbei flaniert sind. Allerdings spricht keiner von uns japanisch, noch können wir es lesen oder verstehen. Darüber hinaus platzen die meisten Lokale mittlerweile aus allen Nähten. Geschäftsmänner in Anzug und Krawatte genießen hier gerne ihren Feierabend.

Also entscheiden wir uns für die einfache Variante. In einem der unzähligen Minimärkte besorgen wir uns Onigiri (Reisdreiecke) und Fertignudeln zum aufkochen. Die Anzahl an Gerichten, die einem hier in den kleinen Märkte geboten wird ist enorm und reicht von Sandwiches über Sushi bis hin zu Curry oder Sobanudeln. An der Kasse wird angeboten die fertigen Speisen zu erhitzen, allerdings verfügen die Hotels in der Regel über frei zugänglich Mikrowellen, welche die Gäste jederzeit benutzen können. Auf den Zimmern gibt es immer Wasserkocher für Tee und Fertignudeln. Da wir mittlerweile kaum noch stehen können, beschließen wir, den Abend mit unserer eben erworbenen Stärkung auf dem Hotelzimmer ausklingen zu lassen. Gute Nacht Tokio!

Kontrastprogramm am Meiji-Schrein

Zweiter Tag. Der Jetlag hat mich fest im Griff. Nach nur einigen Stunden Schlaf wache ich bereits gegen 5 Uhr morgens auf. Ich beschließe die Zeit bis zum Frühstück im Internet totzuschlagen. Zum Glück hat unser Hotel W-Lan. Gegen 7:30 Uhr geht es dann ins angrenzende Italian Tomato. Hier werden in den Morgenstunden wahre Klassiker der italienischen Haute Cuisine dargereicht. Die Auswahl reicht von Hot Dogs über Buttertoasts bis hin zu Pancakes. Ich fühle mich bereits wie in der Toskana. So stellt man sich in Japan also Italien vor.

Heute steht ein klassisches Touristenprogramm auf dem Plan. Zunächst geht es zum bekannten Meiji-Schrein und anschließend wird ganz in der Nähe geshoppt. Auf dem Weg zum Bahnsteig durchstreifen wir noch einmal die Gassen vom Vorabend. Die Straßen sind leer. Die Restaurants haben noch geschlossen und die Geschäfte sind versteckt hinter alten Rolläden. Hier und da beginnt allerdings der eine oder andere Besitzer schon sein Sortiment vor den Laden zu schaffen und die Auslagen herzurichten. Nach wenigen Minuten erreichen wir den Bahnhof.

Suica Card Tokyo
Suica Card

Jetzt kommt uns die Suica Card zu Gute. Diese ist bereits mit einem Guthaben von 1500 Yen aufgeladen und kann mit so ziemlich jedem Verkehrsmittel genutzt werden. Am Durchgang zu den Gleisen halten wir die Karte vor das Lesegerät. Nachdem wir unser Ziel erreicht haben wird die Karte am Ausgang erneut eingelesen und der entsprechende Betrag vom Guthaben abgebucht. Aufladen kann man die Suica Card an jeder Station.

Weiter geht es zum Bahnhof Harajuku. Nur wenige Schritte entfernt liegt mit dem Meiji-Schrein, eines der bekanntesten Heiligtümer des Shintoismus in Japan. Von einem großen Vorplatz aus betritt man durch ein riesiges Holztoori einen breiten Kieselweg, der Mitten durch ein Meer von immergrünen Pinien führt, die im Laufe der Jahre ebenfalls eine stattliche Größe erreicht haben. Während auf unserer Route die Sonne durch die mächtigen Bäume scheint, überall Vögel zwitschern und kleine Tiere durch das Dickicht huschen, kann ich mir kaum vorstellen, dass wir uns gerade im Zentrum einer 35-Millionen-Metropole befinden. Entlang bunt bemalter Sake- und Weinfässer geht es durch ein weiteres Toori, bis wir schließlich nach einer Weile den eigentlichen Schrein erreichen.

Toori am Meiji-Schrein Tokyo
Hölzernes Toori am Meiji-Schrein.

Durch den imposanten Eingang betreten wir den Innenbereich der Anlage. Hier befinden sich unter anderem auch Vorrichtungen, an denen Besucher ihre Gebete und Wünsche, die sie auf kleine Holztäfelchen geschrieben haben, befestigen und die uns im Laufe unserer Reise immer wieder begegnen. Hin und wieder überquert einer der Shintopriester die Anlage und wir nutzen die Ruhe der frühen Morgenstunden, um die Atmosphäre zu inhalieren und uns ganz und gar auf die Idylle, die sich uns hier bietet, einzulassen.

Shinto-Hochzeit am Meiji-Schrein
Shinto-Hochzeit am Meiji-Schrein

Nach einiger Zeit verlassen wir den Innenbereich und machen uns auf den Weg den Rest des Parks zu erkunden. Wir durchstreifen die Anlage bis wir schließlich eine große Freifläche erreichen, auf der es sich bereits einige Japaner bequem gemacht haben. Ganz in der Nähe spielen Kinder und wir beschließen das schöne Wetter zu nutzen und lassen uns ebenfalls auf dem noch etwas vertrockneten Rasen nieder. Ich beginne meinen negativen Ersteindruck, welchen die enormen Betonkomplexe vom Vortag hinterlassen haben zu korrigieren. Auf dem Rückweg bemerken wir, dass sich die Anlage erheblich gefüllt hat. Es ist jetzt kurz vor 11 und die leeren Wege haben sich mittlerweile in einen Strom aus Touristen verwandelt. Mit der entspannten Atmosphäre ist es vorbei.

Shopping in Harajuku

Wir verlassen den Yoyogi-Park, so nennt sich das Gelände, auf dem der Meiji-Schrein liegt, und machen uns auf den Weg in die Nahe gelegene Takeshita Dori, eine schmale, etwa 300 m lange Gasse, die Jugendliche und Touristen aus ganz Japan anzieht. Hier findet man sie, die aufgestylten jungen Mädchen mit wallenden Röcken, gerüschten Oberteilen, niedlichen Accessoires und jeder Menge Schminke, die so gerne von den westlichen Medien präsentiert werden, wenn es darum geht dem daheimgebliebenen Zuschauer die japanischen Popkultur zu präsentieren.

Takeshita Dori in Harajuku, Tokyo Japan
Takeshita Dori in Harajuku

Nach wenigen Metern im Gedränge machen wir Halt in einem der zahlreichen Modegeschäfte. Meine Freundin interessiert sich für eines der niedlichen Oberteile, die hier zu haben sind. Ich hingegen bemühe mich krampfhaft in den kleinen Räumlichkeiten der hiesigen Kundschaft nicht auf die Füße zu treten, was sich mitunter als gar nicht so einfach herausstellt.

Währenddessen nehme ich die Beziehung zwischen Kunde und Verkäufer genauer unter die Lupe. Jeder, der den Laden betritt wird mit der gleichen Floskel in Empfang genommen. Diese wird dermaßen automatisiert vorgetragen, dass sie wohl mittlerweile jegliche Bedeutung sowohl für den Kunden, wie auch für den Angestellten verloren hat. Dennoch gehört dieses Ritual zum Alltag im Kunden-Verkäufer-Verhältnis. Bei Fragen stehen die Angestellten des Ladens augenblicklich zur Verfügung und tun ihr äußerstes um nach besten Wissen und Gewissen hilfreich zu sein. Alles immer mit einem Lächeln im Gesicht. Selbst wenn die Sprachbarriere dazwischen kommt – so wie in unserem Fall – wird sich notfalls mit Hand und Fuß verständigt, bis eine Lösung des Problems gefunden ist. An der Kasse wird sich dann ausgiebig bedankt. Die Verkäufer bedanken sich für den Kauf, sie danken für die Bezahlung und sie bedanken sich sogar, wenn sie Wechselgeld zurückgeben. Schließlich folgt noch ein abschließender Dank und die Verabschiedung, sobald man den Laden verlässt. An der Kasse muss man übrigens nie länger warten. Sobald die Angestellten registrieren, dass sich eine Schlange bildet, wird meist umgehend eine weitere Kasse eröffnet. In Deutschland ist der Kunde König, in Japan ist der Kunde Gott. Diese Beschreibung trifft es in der Regel recht genau.

Weiter geht es im Menschenstrom die Straße hinunter. Auf der linken Seite entdecken wir ein größeres Gebäude, in dem die Massen ein- und ausgehen. Es handelt sich um einen 100-Yen-Shop. Hier gibt es eigentlich alles was man im Alltag benötigt. Von Haushaltswaren über Bürobedarf, Kleidung, Spielzeug bis hin zu Elektroartikeln und Werkzeug. Alles für 100 Yen plus 8% Steuern. Im Gegensatz zu den 1-Euro-Läden hier in Deutschland wirken die 100-Yen-Stores in Japan äußerst sauber und aufgeräumt. Die Artikel machen trotz ihres geringen Preises einen sehr wertigen Eindruck, ganz anders als der Ramsch, den man hierzulande häufig in diesen Läden findet. Nachdem wir alle Etagen gründlich inspiziert haben, machen wir hier einige Besorgungen und setzen unseren Weg fort.

Immer mehr junge Mädchen kommen uns jetzt mit kunstvoll gestalteten Crepes entgegen und in der Luft liegt ein süßlicher und ebenso verführerischer Duft, der uns direkt zu zwei Verkaufsständen führt. Während mir die Warteschlangen um einiges zu lang sind, erliegt meine Partnerin der Verlockung. Ich hingegen beschließe einen Blick auf die Karte zu werfen und registriere, dass sich ganz in der Nähe ein Tempel befindet. Gefühlte Stunden später taucht dann auch meine andere Hälfte wieder auf, in den Händen einen riesigen Crepes gefüllt mit Matcha-Eis und anderen Köstlichkeiten, zusammengerollt wie eine riesige Eiswaffel. Ich habe genug von dem unfassbaren Gedränge und so beschließen wir über eine kleine Seitenstraße den eben erwähnten Tempel aufzusuchen. Die Atmosphäre verändert sich schlagfertig. Nur wenige Meter von der Takeshita-Dori entfernt bemerke ich erneut wie wandelbar diese Stadt ist.

Am Tempel vorbei durch einen kleinen Park begeben wir uns schließlich auf eine der Hauptstraßen und kehren zum Bahnhof zurück, um den Heimweg anzutreten. Nach einer kleinen Pause im Hotel erkunden wir den verbliebenen Nachmittag den Ueno-Park und die emsigen Straßen unseres Viertels, bevor wir uns frühzeitig auf unser Zimmer zurückziehen.

Der Kaiserpalast

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zum Kaiserpalast, einer der Hauptattraktionen der Stadt, zumindest sofern man den etlichen Reiseführen Glauben schenken darf. Nach nur wenigen Minuten Fahrt mit der Yamanote Line erreichen wir die Tokyo Station. Trotz der enormen Größe ist das frisch renovierte Gebäude durchaus übersichtlich und bestens ausgeschildert. Dieses mal finden wird den richtigen Ausgang sofort. Trotz der Uhrzeit ist es bereits recht warm und die gläsernen Fassaden der Hochhäuser, die uns umgeben, reflektieren das Sonnenlicht und heizen die breiten Straßen, die vor uns liegen noch weiter auf.

Der Kaiserpalast befindet sich nur etwa zweihundert Meter westlich der Tokyo Station. Nachdem wir eine mehrspurige Straße überquert haben sehen wir auch schon die Ausläufer des Geländes. Enorme Steinmauern, die von breiten Wassergräbern umgeben sind sollen das Gelände vor ungewollten Besuchern schützen. Es geht weiter über einen großen Kiesplatz bis wir uns schließlich einer Brücke nähern, an welcher sich bereits einige Menschen versammelt haben. Gruppen von Touristen, bewaffnet mit Digitalkameras versuchen einen möglichst idealen Platz zu ergattern, um den Kaiserpalast, welchen man nur aus der Ferne bewundern kann, perfekt ablichten zu können. Trotz der Fülle geht es dabei alles andere als grob zu. Tatsächlich warten die Menschen bis der anvisierte Platz frei wird ohne sich dabei lautstark zu beschweren, vorzudrängeln oder sich in anderer Art und Weise zu echauffieren. Auch wir stürzen uns ins Getümmel und haben bald unsere Fotos gemacht. Anschließend entfernen wir uns einige Meter, um noch einmal den Blick über das Palastgelände schweifen zu lassen, welches ausschließlich vom Kaiser und vom Personal sowie offiziellen Gäste betreten werden darf.

Kaiserpalast Tokio
Kaiserpalast Tokio

Tokio Kaiserpalast Ostgarten

Auch für den Pöbel zugänglich sind hingegen die östlichen Gärten des Kaiserpalasts. Der Eintritt ist frei und so beschließen wir ein wenig über das weitläufige Gelände zu Flanieren. Aufgrund der Größe des Gartens verlaufen sich die Herrscharen an Touristen recht schnell. Überall an den breiten Wegen gibt es Sitzmöglichkeiten und einige Japaner haben es sich sogar mit einer Decke auf einer größeren Grünfläche gemütlich gemacht. Die Vielzahl an verschiedenfarbigen Blume bietet einen wunderbarer Kontrast zu den breiten Steinwegen und zu den Überresten der enormen Verteidigungsmauern.

Tokio Kaiserpalast Ostgarten
Der Ostgarten

Ginza und Marunochi

Nach einiger Zeit verlassen wir den Garten wieder. Entspannt und bei bester Laune beschließen wir uns nun ein wenig mehr dem modernen Tokio zu widmen. In unmittelbarer Nähe der Tokyo Station liegen die beiden Viertel Ginza und Marunochi. Die breiten Straßen werden von modernen Hochhäusern flankiert und überall sieht man aufwendig gestylte Frauen mit unzähligen Einkauftaschen in den Händen. Hier findet man sie. Die ganz großen Namen der internationalen Modewelt. Ob Dolce & Gabbana, Dior oder Prada. Hier herrscht eine Aura des Geldes. Wir streifen eine Weile durch die Straßen und beobachten das geschäftige Treiben der vielbeschäftigten jungen Frauen, die auf Stöckelschuhen umherstolzieren und dabei bemüht sind nicht ihre Taschen zu verlieren oder zu stolpern.

Popkultur in Akihabara: Ein Mekka für Geeks

Nach einer Weile reicht es uns, immerhin sind wir nicht nach Tokio geflogen um westliche Designermode zu kaufen. Wir beschließen zum Bahnhof zurückzukehren und unseren Ausflug anderswo fortzusetzen.

Nur zwei Stationen von Tokyo entfernt liegt das Technikviertel Akihabara, wobei diese Bezeichnung eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist. Vielmehr hat sich der Bereich rund um die Bahnstation in ein Mekka für Anime- und Mangafans entwickelt. Überall gibt es Geschäfte, die sich diesem Themenbereich widmen. Vor allem Figuren und Statuen der beliebtesten Serien werden überall verkauft. Das Angebot der Läden spiegelt sich aber auch deutlich im Publikum wieder. Allerlei skurrile Gestalten, von verkleideten Mädchen bis hin zum Abziehbild eines klassischen Nerds, laufen uns bereits während der ersten Meter über den Weg.

Bevor wir uns aber ins Getümmel stürzen, beschließen wir zunächst einmal eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Da wir noch immer kein japanische sprechen halten wir Ausschau nach einem Restaurant mit Auslagen im Fenster und einem Automaten vor der Tür. Diese Lokale servieren häufig rund um die Uhr verschieden Variationen von Soba oder Udon-Nudeln und häufig auch japanisches Curry. Hat man sich für eines der Gerichte in der Auslage entschieden, muss man sich lediglich die Ziffer merken, anschließend Geld in den Automaten einwerfen (meist zwischen 400 und 500 Yen) und schließlich den ausgeworfenen Zettel im Restaurant abgeben. Nach wenigen Minuten wird man benachrichtigt und kann sein Gericht am Tresen abholen. Wasser steht allen Gästen gratis zur Verfügung.

Akihabara Shopping

Voller neuer Energie beschließen wir uns ins Gedränge zu stürzen. Direkt gegenüber unseres kleinen Restaurants befindet sich eine mehrgeschossiges Gebäude, in dem auf verschiedenen Etagen Actionfiguren, Puppen, Modellbausätze, Mangas, Animes sowie Cosplay-Zubehör und auch Sammelkarten angeboten werden. Wir beginnen zu Stöbern und finden tatsächlich einige Dinge, die unsere Aufmerksamkeit erregen. Insbesondere einige der Statuen gefallen mir, während meine Freundin sich für eine bestimmte Sorte von Puppen namens Blythe begeistern kann. Während ich da stehe und die Figuren in den abgeschlossenen Glaskästen inspiziere fällt mir voller Schreck auf, dass ich von meiner Umgebung assimiliert wurde. Ähnlich wie das übrige Publikum, welches ich vor einer Stunde noch als soziophobe Eigenbrötler gebrandmarkt hätte, stehe auch ich jetzt mitten zwischen ihnen, fasziniert von einem Stück Plastik. Ein wenig fühle ich mich wieder wie ein Kind, für das ein einfaches Spielzeug noch die absolute Erfüllung sein kann und dessen Besitz gleichbedeutend mit Glück ist. Apropos Kinder: Obwohl die meisten Spielzeugläden in Akihabara gut gefüllt sind, sieht man hier kaum Kinder. Zwischendurch trifft man zwar öfter auf eine paar Jugendliche, aber das Durchschnittsalter scheint hier eher bei 20+ zu liegen.

Maids

Nachdem wir einige Läden durchstreift haben, beschließen wir uns zu Fuß auf den Rückweg zu machen. Bis zu unserem Hotel sind es nur knapp 1,5 Kilometer und wir wollen die Gelegenheit nutzen ein wenig mehr vom Viertel kennenzulernen außer den Bereich rund um den Bahnhof. Über eine Seitenstraße machen wir uns auf den Weg zur Hauptstraße, welche uns direkt nach Ueno bringt. Dabei führt uns unser Weg vorbei an jungen Mädchen, die allesamt mit sehr knappen Dienstmädchenuniformen bekleidet sind und eifrig Flyer an die Passanten verteilen. Wer schon einmal in Hamburg durch die Herbertstraße gelaufen ist, dem ist das Bild sicherlich nicht ganz unbekannt. Nur dass die Damen (genannt Maids) hier nicht dem horizontalen Gewerbe angehören, sondern lediglich junge Männer in eines der zahlreichen Maidcafes locken wollen, wo diese ihr Erspartes für Speis und Trank ausgeben sollen.

Maid Akihabara Tokyo Japan
Eine Maid in Akihabara

Cosplay

Wir schieben uns durch das Gewusel und erblicken auch schon das nächste Happening. Hinter einem abgesperrten Bereich posen drei Mädchen in fantasievollen Kostümen vor bunt beklebten Autos, sehr zur Freunde vieler Japaner und Touristen, die mit ihrer Kamera im Anschlag bereits darauf warten ein Foto mit einer der jungen Frauen zu schießen. Amüsiert beobachten wird das Schauspiel eine Weile bevor wir uns auf den Weg zurück nach Ueno machen. Es beginnt bereits zu Dämmern und der Tag hat uns ausgelaugt. Nach einem Besuch beim nächsten 7-Eleven endet der Tag bereits in den frühen Abendstunden auf dem Hotelzimmer.

Cosplay Akihabara Tokyo Japan
Cosplay Mädchen in Akihabara

Zojoji-Tempel und Tokyo Tower: Tradition trifft Moderne

Heute ist zunächst einmal ausschlafen angesagt. Nachdem wir am gestrigen Tag etliche Kilometer zu Fuß zurückgelegt haben, beschließen wir es heute ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Die Frühstückszeit ist schon vorbei und so beschließen wir uns an einem kleinen Stand um die Ecke mit frischen Onigiri einzudecken. Frisch gestärkt und ganz ohne Jet-Lag ist unser heutiges Ziel der Tokyo Tower und der nahegelegene Zojoji Temple. Wie üblich benutzen wir die Bahn. Nach einer knappen halben Stunde haben wir unser Ziel erreicht.

Schon von weitem sehen wir das rot-weiße Stahlgerüst des früheren Fernsehturms, welches in seiner Architektur dem französischem Eiffelturm nachempfunden wurde. Zunächst aber wollen wir den Zojoji Tempel besichtigen, der es jüngst im Blockbuster „Wolverine: Weg des Kriegers“ auf die internationale Kinoleinwand geschafft hat. Auf unserem Weg dorthin fällt uns jedoch ein kleiner, leicht versteckter Schrein ins Auge, den wir genauer unter die Lupen nehmen.

Wieder einmal habe ich das Gefühl, als wäre ich durch ein Portal in eine andere, beschaulichere Zeit gereist. Das kleine Gelände ist von großen Bäumen eingeschlossen. Zu meiner linken steht ein Kirschbaum in seiner vollsten Blüte und rechts neben mir steht ein kleines Wasserspiel, das über einen Stein in einen winzigen Teich plätschert. Unmittelbar vor dem Schrein fegt ein ältere Dame den Steinboden und im Dickicht unter den Büschen entdecke ich zwei Katzen, denen es hier offensichtlich sehr gut gefällt. Ich setze mich auf eine kleine Holzbank an der Seite und genieße für einige Momente die idyllische Atmosphäre. Durch die Bäume hindurch kann man das eigentliche Ziel unseres Ausflugs sehen, welches ich mittlerweile fast vergessen hatte.

Nach einiger Zeit überwinden wir unsere angenehme Lethargie und begeben uns zum Zojoji-Tempel. Hier erwartet uns das genaue Gegenteil. Nach dem durchschreiten eines gewaltigen, zweigeschossigen Tores erblicken wir am anderen Ende des Innenhofes die Steintreppen, welche zur Haupthalle führen, hinter der sich wiederum majestätisch der Tokyo Tower erhebt. Ein wunderbares Bild und ein Symbol für die so häufig beschworene Koexistenz von Tradition und Moderne.

Zojoji-Tempel Tokyo Tower Japan
Zojoji-Tempel mit dahinter aufragendem Tokyo Tower

Während wir das Gelände erkunden vernehmen wir plötzlich Geräusche aus den Lautsprechern, welche vor der Haupthalle installiert wurden. Ein eintöniger, hoher und zugleich hypnotisierender Klang beginnt sich auf dem gesamte Gelände auszubreiten. Im Inneren des Tempel haben sich Shintopriester versammelt, um einem Ritual nachzukommen. Die Kombination aus den monotonen Mönchsgesängen und den minimalistischen Klängen der Trommeln und verschiedener Flöten zieht mich direkt in ihren Bann. Die Zeremonie dauert bereits einige Minuten und mittlerweile haben sich zahlreiche Besucher im Inneren der Haupthalle versammelt, um das Ereignis zu verfolgen. Es fällt mir schwer mich aus der hypnotisierenden Atmosphäre zu lösen.

Weiter geht es zum Tokyo Tower. Der sieht zwar aus der Nähe noch immer beeindruckend aus, wirkt aber aus der Ferne vor dem urbanen Hintergrund doch ein wenig imposanter.

Tokyo Tower Japan
Tokyo Tower

Shinjuku: Erst Shopping, dann das Vergnügen

Wir entscheiden uns gegen die Besteigung des Turms und fahren stattdessen weiter nach Shinjuku, dem wichtigsten Viertel in Tokio, sofern es um Shopping geht. Egal was man sucht, hier findet man einfach alles. Ich meine wirklich ALLES! Riesige Kaufhäuser wie Isetan oder auch Tokyo Hands werden ergänzt durch Filialen vom H&M-Pendant UNIQLO oder vom Technikriesen Bic Camera. Natürlich ist das bei weitem noch nicht alles, allerdings fehlt hier der Platz, um wirklich abschließend aufzuzählen, was wir in den Straßen Shinjukus entdeckt haben.

Shinjuku Tokyo Isetan Store
Isetan Mega Department Store in Shinjuku

In besonderer Erinnerung bleibt mir jedoch der Besuch bei Don Quijote, einer Art Mega-Ramschladen, der auf mehreren Etagen alles von Nahrungsmitteln über total abgedrehte Kosmetikprodukte, Kleidung und Verkleidungen, gebrauchte Gucci-Taschen und Elektroartikel bis hin zu Einrichtungsgegenständen sowie Spielzeug für Kinder als auch für Erwachsene anbietet. Insbesondere in Bezug auf letzteres kann ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Dies liegt allerdings weniger an dem Angebot an Erwachsenenspielzeug – welches es mir zum Beispiel erlauben würde mir meine Traumfrau aus den wichtigsten Einzelteilen nachzubauen – als viel mehr an der Tatsache, dass die Erotikabteilung unmittelbar gegenüber den Spielwarenregalen liegt, abgetrennt lediglich durch einen Stoffvorhang, der mir gerade mal bis zur Brust reicht. Mit anderen Worten: Jeder Jugendliche und jedes Kind, dass über 1,50 Meter ist kann einen Blick auf allerlei unterhaltsame Gadgets und Videos werfen. Kein Wunder also, dass direkt zwischen den Regalen mehrere 12 bis 13-jährige stehen, die anscheinend angestrengt nach Spielzeug suchen, dann aber doch alle paar Sekunden mit hochrotem Kopf einen Blick in die entgegengesetzte Richtung riskieren. Zumindest das Verhalten der Jungen wäre in Deutschland nicht anders denke ich und stelle fest, dass mein Grinsen bei diesem Gedanken noch breiter wird.

Rathaus von Tokio

Mittlerweile sind wir einige Stunden unterwegs. Unsere Füße tun weh und wir sind beide schwer bepackt mit Einkaufstaschen. Dennoch entscheiden wird uns zu einem weiteren Fußmarsch Richtung Tokioter Rathaus (Tokyo Metropolitan Government Building / Tokyo City Hall). Nicht nur das Gebäude selbst ist recht bemerkenswert, sondern vor allem die Tatsache, dass man hier kostenlos die Aussichtsplattform im 45. Stock. besuchen darf. Nach einer kleinen Routinekontrolle am Aufzug sind wir in weniger als 50 Sekunden an unserem Ziel angelangt. Uns erwartet ein atemberaubender Anblick. Die Ausmaße der Weltmetropole sind wahrhaftig gigantisch.

Tokyo Metropolitan Government Building, Rathaus, City Hall
Tokio Rathaus

Nachdem wir alle Seiten der Stadt begutachtet haben, beschließen wir endlich eine Pause einzulegen und etwas Nahrung zu uns zu nehmen. Diesmal zieht es uns zu Go! Go! Curry, einer Kette, die japanisches Curry mit gebackenem Huhn, Schwein oder auch Würstchen als Beilage serviert. Im Gegensatz zur traditionellen japanischen Küche ist unsere heutige Mahlzeit alles andere als gesund, schmeckt aber – wie in diesen Fällen üblich – leider viel zu gut.

Kabukicho

Langsam wird es dunkel. Wir entspannen uns noch ein wenig bevor wir uns nach Kabukicho aufmachen, der Amüsierenmeile Shinjukus. Bereits im Vorfeld haben wir erfahren, dass Touristen hier nicht gerade zuvorkommend behandelt werden und dass zumindest viele Bars und Clubs Ausländern den Eintritt verweigern. Das bunte Treiben in Kabukicho wollen wir uns aber dennoch nicht entgehen lassen. Die Straßen sind bereits gut gefüllt. Unzählige Angestellte durchstreifen in ihren Anzügen die Gassen auf der Suche nach Ablenkung und Unterhaltung. Überall wird man von grellen Neonreklamen geblendet und alle paar Meter stehen junge Männer mit teils meisterhaften Frisuren, die Kunden in ihr Etablissement locken wollen.

Nachdem wir uns mit den Straßenzügen bekannt gemacht und das Geschehen eine Zeit lang beobachtet haben kommen wir zu dem Schluss keine der Bars aufzusuchen. Das Angebot ist zwar groß aber wir haben einfach keine Ahnung welcher Laden für uns geeignet wäre. Zudem schwirrt uns beiden noch immer im Hinterkopf herum, dass Touristen hier nicht unbedingt zu den beliebtesten Gästen zählen. Zwar haben wir uns an diesem Abend nicht angefeindet gefühlt, ein wenig Ressentiments lag aber dennoch in der Luft. Um den Tag dennoch nicht ganz unspektakulär ausklingen zu lassen, kaufen wir uns beim nächsten Supermarkt japanisches Bier und verabschieden uns aus Shinjuku.

Jugendlicher Lifestyle in Shibuya

Der nächste Tag beginnt mit einem kleinen Spaziergang durch den Uenopark. Momentan wird die Kirschblüte gefeiert und an den Seiten der Wege sind große Planen ausgelegt, die bereits in den früher Morgenstunden von einigen hartgesottenen Japanern belegt sind, die auf diese Weise einen Platz für sich und ihre Freunde reservieren.

Mann reserviert Platz im Ueno Park
Mann reserviert Platz im Ueno Park

Wir beschließen in den Abendstunden noch einmal zurückzukehren, wenn der gesamte Park im Licht rosaroter Laternen erstrahlt und die Party in vollem Gange ist. Vorher aber geht es nach Shibuya, dem Viertel für die modebewusste japanische Jugend.

Hachiko-Statue

Am Bahnhof angekommen begeben wir uns zunächst zur Hachiko-Statue, welche einem kleinen Akita-Hund gewidmet ist, der bis zu seinem eigenen Ende am Bahnhof Shibuya auf die Rückkehr seines Besitzers wartete, der zuvor tödlich verunglückt war. Obwohl die Statue weder besonders meisterhaft modelliert noch von besonderer Größe ist, drängen sich Unmengen von Japanern um das Abbild des loyalen Hundes, um ihn auf einem Foto für die Ewigkeit festzuhalten. Schmunzelnd bemerke ich, dass ihm ein begeisterte Besucher einen Chicken-Nugget vor die Füße gelegt hat. Ich bezweifle das der treue Vierbeiner diesen noch gebrauchen kann, enthalte mich aber eines Kommentars und buche es in meinem Kopf in der Kategorie „skurriles in Japan“ ab.

Hachiko-Statue Shibuya
Hachiko-Statue

Shibuya Crossing

Direkt neben der Statue liegt „Shibuya Crossing“, die wohl bekannteste und am stärksten frequentierte Kreuzung der Welt. Nachdem wir uns in einem Meer von Menschen auf die gegenüberliegende Straßenseite haben treiben lassen, erblicken wir eine der Modehochburgen des Viertels, Shibuya 109. Der Anblick des mehrgeschossigen Modegeschäfts erinnert mich stark an eine Thermoskanne, die anstatt Tee oder Kaffee Menschen beinhaltet. Auf drängen meiner weiblichen Begleitung bleibt mir nichts anderes übrig als mich in diese fremde Welt aus Make-up und Mode zu stürzen. Auf mehreren Etagen reiht sich Modegeschäft an Modegeschäft, jedes mit einem ganz eigene Stil, das bildlich durch die Verkäuferinnen präsentiert wird. Während einer der Läden komplett in Rosa gehüllt ist, mit einer Angestellten, die aussieht wie ein explodiertes Vogelnest, das mit Farbbomben malträtiert wurde, liegt unmittelbar daneben ein Geschäft, das von einer Art sexy Gothik-Lolita bewacht wird, die wiederum ganz in schwarz gehalten ist.

Shibuya Crossing Kreuzung
Shibuya Crossing

Anscheinend bin ich der einzige Mann im ganzen Gebäude. Um mich herum wuseln unzählige junge Mädchen, die ihr bestes geben mich zu ignorieren oder aber mich unverhohlen angrinsen und mit ihren Freundinnen kichernd auf mich zeigen. Nach etwa 30 Minuten ist der Spuk vorbei und ich freue mich wieder frische Luft atmen zu können. Die nächsten Stunden verbringen wir damit die Straßen Shibuyas ausgiebig zu erkunden. Während man östlich des Bahnhofs vorwiegend auf ein junges weibliches Publikum trifft, findet man südlich des Bahnhof eher Musikgeschäfte und kleine Kneipen, in denen die aspirierenden japanischen Rockmusiker sich zu Hause fühlen. Zugleich ist Shibuya auch das einzige Viertel in Tokio, in dem mir vermehrt Street-Art und Graffiti begegnet ist.

Nach einer gefühlten Ewigkeit im Gedränge beschließen wir den Nachmittag im Yoyogi-Park zu verbringen, der nur eine Station weiter südlich liegt. Am Tag zuvor haben wir uns in einem der größeren Supermärkte mit großen Bentoboxen ausgestattet, deren Inhalt wir nun in aller Ruhe verspeisen.

Kirschblüten-Fest im Uenopark

Erst am frühen Abend führt uns der Weg zurück nach Ueno, wo wir nach einem kurzen Stopp im Hotel erneut den Park aufsuchen. Mittlerweile ist es dunkel geworden und das gesamte Gelände erstrahlt im Glanz der unzähligen rosa Laternen, welche die Farben der Kirschblüten besonders hervorheben sollen. Die Sitzmatten an den Gehwegen sind jetzt bis auf den letzten Platz gefüllt und obwohl es gerade mal 19 Uhr ist, scheinen sämtliche Japaner schon annähernd ihren maximalen Alkoholpegel erreicht zu haben. Dennoch bleibt die Stimmung sehr gelassen. Nirgends fallen mir Auseinandersetzungen oder Streitigkeiten auf. Die Atmosphäre ist freundlich und auch die nüchternen Besucher können sich ohne weiteres an der Schönheit der vollen Blüte erfreuen. An einigen Stellen sind Stände aufgebaut, an denen man verschiedene Snacks und Leckereien erwerben kann, doch die Schlangen sind lang, so dass wir nach einem ausgiebigen Spaziergang und dem schießen unzähliger Fotos in die kleinen Gassen unterhalb der Bahngleise zurückkehren, um noch irgendwo eine Stärkung zu uns zu nehmen.

Ueno Park Tokyo Kirschblüte Nacht
Ueno Park bei Nacht

Auch hier ist es mittlerweile ordentlich gefüllt. Junge Japaner, die wohl vom angelegen Park hierher getorkelt sind bevölkern die Wege, viele von ihnen kaum noch in der Lage zu stehen oder zu gehen. Manche, die den Weg bis in ihre Wohnung nicht mehr finden konnten, haben sich in ruhigere Ecken zurückgezogen, um hier ihren Rausch auszuschlafen. Sichtlich amüsiert beschließen wir, dass es nun auch für uns Zeit für ein Bier ist. An einem gut besuchten Stand gönnen wir uns einige Takoyaki – kleine Teigbällchen mit einem Stück Optopus in der Mitte – sowie eine kühle Dose japanisches Bier. Wir genießen unser letzte Mahlzeit des Tages und verbringen noch einige Zeit damit das bunte Treiben auf den Straßen zu beobachten, bevor wir uns zurückziehen. Heute war ein entspannter Tag. Der Rest unserer Reise kann kommen!

3 Gedanken zu „Tokio, Japan Reisebericht“

  1. Unglaublich dass bisher niemand kommentiert hat. Ein sehr schöner Bericht. Danke! LG aus Linz Donau

  2. Sehr, sehr schöner Bericht!
    Für mich als Europäerin und Südamerikanerin (auch schon sehr verschieden) gäbe es nicht Schöneres als diese “andere Welt” jetzt auch noch kennen zu Lernen.
    Vielen Dank und liebe Grüsse:)

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